Warum Israel (1972) - Einige Richtigstellungen
In der Überschrift fehlt kein Fragezeichen. Der erste Film von Claude Lanzmann ist kein Film zu Israel, sondern für Israel. Es ist auch nicht der Film des Autors von Shoa, sondern der Film Shoa ist vom Autor des Films Warum Israel. Den Film Shoa gab es 1972 noch nicht. Warum Israel ist der erste einer Triologie, zu der Shoa und Tsahal (IDF) gehören. Ein weiterer Film Sobibor folgte.
Das Fragezeichen wäre verfehlt, allein schon, weil der Film ein Protest gegen ein solches Fragezeichen ist. »Ich habe also diesen Film gemacht, um ihnen zu antworten, ihnen zu sagen, dass Israel kein Volk von Mördern, sondern ein Volk von Flüchtlingen ist, ein Volk von alten Frauen.«(Claude Lanzmann). Der Film ist eine Antwort, keine Frage.
Dem B5-Mob stört, daß Israel nicht für die Juden als Opfer steht, sondern für die Juden als Subjekt ihrer Geschichte und somit ist der Film zionistisch. Nie wieder Opfer sein, das ist ein unanfechtbares Recht, für das Israel steht. Der B5-Mob will Juden nur als entmenschte Opfer, daher bringen sie es nicht zu mehr als zu einem nekrophilen Antifaschismus, der sich nach neuen toten Juden letztlich sehnt. Dagegen richtet sich dann auch der letzte Film der Triologie, die Antwort auf diese Form von Antisemitismus: Tsahal.
Zum Film ein Link: http://jungle-world.com/artikel/2008/19/21752.html
Wenn behauptet oder bestritten wird, Warum Israel sei ein zionistischer Propagadafilm, so ist beides halb wahr. Zionistisch ist der Film, er zeigt, warum Israel sein muß. Propaganda ist er deswegen gerade nicht:
“Propaganda für die Änderung der Welt, welch ein Unsinn! Propaganda macht aus der Sprache ein Instrument, einen Hebel, eine Maschine. Propaganda fixiert die Verfassung der Menschen, wie sie unterm gesellschaftlichen Unrecht geworden sind, indem sie sie in Bewegung bringt. Sie rechnet damit, daß man mit ihnen rechnen kann. Im tiefsten weiß jeder, daß er durch das Mittel selber zum Mittel wird wie in der Fabrik. Die Wut, die sie in sich spüren, wenn sie ihr folgen, ist die alte Wut gegen das Joch, durch die Ahnung verstärkt, daß der Ausweg, den die Propaganda weist, der falsche ist. Die Propaganda manipuliert die Menschen; wo sie Freiheit schreit, widerspricht sie sich selbst. Verlogenheit ist unabtrennbar von ihr. Die Gemeinschaft der Lüge ist es, in der Führer und Geführte durch Propaganda sich zusammenfinden, auch wenn die Inhalte als solche richtig sind. Noch die Wahrheit wird ihr ein bloßes Mittel, zum Zweck Anhänger zu gewinnen, sie fälscht sie schon, indem sie sie in den Mund nimmt. Deshalb kennt wahre Resistenz keine Propaganda. Propaganda ist menschenfeindlich. Sie setzt voraus, daß der Grundsatz, Politik solle gemeinsamer Einsicht entspringen, bloß eine façon de parler sei.”( Horkheimer/Adorno, Dialektik der Aufklärung: Propaganda. Theoder W. Adorno: Gesammelte Schriften, Bd. 3, S. 293)
Propagada ist das, was die Antizionisten der B5 betreiben. In Form und Inhalt zerstören sie jegliche emanzipatorische Potenz, die eine bessere Welt ermöglichte und für die auch Israel steht als Bastion gegen die antisemitische Raserei.
Nachtrag
Zum Glück wurde nicht bloß gegen die Zensur eines Filmes demonstriert, wie ich schon befürchtete. Die Demo-Reden richteten sich eindeutig gegen den antisemitischen Mob. Es wäre ja auch schlimm gewesen, richtete der Widerstand sich nicht gegen den Antisemitismus, der sich gegen Israel austobt, sondern lediglich gegen den Radau-Antisemitismus, wie er von den Ex-Linken der B5 praktiziert wurde, nur gegen die Form, nicht gegen den Inhalt. Das zeigt auch, daß die Kritiker des Aufrufs mehr Vertrauen in ihre eigene Argumentation hätten haben sollen. Aber das kennen die Kenner der Vorgeschichte von Karl Marx, als er dem junghegelianische Doktorclub angehörte. Jede unmittelbare Einheit von Theorie und Praxis hat immer beides, Theorie wie Praxis korrumpiert, so wie der Gegensatz ebenso ein solche Tendenz hat. Diese objektive Aporie gilt es zu reflektieren, so wie in der unmittelbaren Praxis, die Ziele nicht in Vergessenheit geraten dürfen.